Wie viel Zeit kostet Bürokratie Handwerksbetriebe wirklich?
Mehr als die Hälfte aller Handwerksbetriebe in Deutschland wendet über 100 Stunden pro Jahr für rein bürokratische Aufgaben auf – das entspricht mehr als zwei vollen Arbeitswochen, die weder auf der Baustelle noch beim Kunden verbracht werden. Das zeigt eine Sonderumfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) unter 10.630 Betrieben.
Was steckt hinter diesen Stunden? Angebote, Stundennachweise, Aufmaßblätter, DSGVO-Dokumentationen, Gefährdungsbeurteilungen, Arbeitszeitnachweise, E-Rechnungen – die Liste wächst mit jedem Jahr. Für Betriebsinhaber, die morgens auf die Baustelle fahren und abends noch den Schreibtisch hüten müssen, ist das bitterer Alltag.
Thomas W., Elektroinstallateur aus Süddeutschland, bringt es auf den Punkt: „Ich habe gegründet, weil ich Elektriker bin – nicht weil ich Formulare ausfüllen will. Aber inzwischen sitze ich dreimal die Woche bis 21 Uhr am Laptop.“
Dabei ist es nicht nur der Zeitverlust, der schmerzt. Laut der ZDH-Erhebung geben 58 % der befragten Betriebe an, dass die Bürokratiebelastung die Selbstständigkeit im Handwerk zunehmend unattraktiv macht – ein alarmierendes Signal für die gesamte Branche und für die Nachwuchsgewinnung.

